Josef Schitter

„Früher war man wirklich wie bei einer Mutter daheim, war begeistert dafür, hat als ‚Jagdhund Gottes‘ (so nannte mich Rektor Wimmer) unermüdlich dafür gearbeitet, ohne auch nur je nach Erholung oder gar Entlohnung zu fragen. Ja man war gerne bereit in testimonium Jesu Christi auch Schmach, Verfolgung, Leid und Lebensgefahr im KZ auf sich zu nehmen.“

Josef Schitter wurde am 1. August 1911 in Pichl (bei Mariapfarr) geboren. Er wuchs am Suppangut in Pichl auf. Nach der Volksschule in Mariapfarr absolvierte er das Gymnasium Borromäum in Salzburg, dann die seelsorgerische Ausbildung im Priesterseminar Salzburg. 1939 wurde er zum Priester geweiht. Er war Kooperator in Goldegg und danach in Mariapfarr, wo er 1944 verhaftet und im KZ Dachau interniert wurde.

Der Lungauer Priester eckte immer wieder beim NS-Regime an: Schon 1941 wurde ihm deshalb die Befugnis zur Erteilung des Konfessionsunterrichtes (also des katholischen Religionsunterrichts) im gesamten „Reichsgau“ Salzburg entzogen. Schitter verhielt sich auch in der Folge nonkonform.

Er dürfte in eine wichtige Widerstandsaktion im katholischen Milieu mit involviert gewesen sein. Als Gauleiter Friedrich Rainer 1940 Hausdurchsuchungen in Pfarrämtern des Wehrkreises plante, wurden einige Geistliche rechtzeitig gewarnt. Schitter informierte mehrere Pfarren, sodass die Durchsuchungen größtenteils erfolglos blieben.

Der Pfarrer geriet weiterhin in Konflikt mit dem NS-Regime, etwa durch eine kritische Predigt. Auch seine Mutter wurde von der Gestapo verhaftet, weil sie ausländische Radiosender gehört haben soll. Es gab Pläne, den Familienhof zu enteignen und in ein Heim der Hitlerjugend umzuwandeln.

Ins KZ Dachau deportiert

Im Juli 1944 wurde der Lungauer Priester schließlich wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ verhaftet und in das KZ Dachau deportiert.  Hintergrund war ein Gespräch mit dem Bürgermeister Alois Lankmayer über die geplante Beschlagnahmung eines Pferdes seines Vaters für die Wehrmacht. Dabei soll Schitter sinngemäß gesagt haben, dass es nicht mehr lange dauern werde, was als Hinweis auf eine mögliche Niederlage des „Deutschen Reiches“ interpretiert wurde. Die Erzdiözese Salzburg versuchte die „Überstellung des Kaplans Josef Schitter in ein Anhaltelager“ noch zu verhindern. Sie blieb ebenso erfolglos, wie sein Schitters Bruder Rupert, der sich als Sanitätsunteroffizier der Deutschen Wehrmacht ebenfalls für seine Freilassung einsetzte.

Kurz vor Kriegsende wurde Schitter aus dem KZ Dachau entlassen. Die KZ-Erfahrung hinterließ bei Josef Schitter wie bei vielen anderen physische und psychische Spuren. Nach Kriegsende wollte die Amtskirche von seinem und dem Schicksal anderer verfolgter Geistlicher nichts wissen, über das Thema sollte nicht mehr gesprochen werden. Nach seiner Freilassung war er Kooperator in Eugendorf, danach in Saalfelden und schließlich 20 Jahre Seelsorger in der Rehhofsiedlung in Hallein. Eine innerkirchliche Karriere blieb ihm verschlossen, am Ende seiner Tätigkeit war er frustriert. Wie zahlreiche andere Seelsorger, die in der NS-Zeit verfolgt worden waren, fühlte er sich gerade wegen der Verfolgung innerhalb der Institution benachteiligt.

Abseits von seelsorglichen Aushilfen widmete sich Schitter nach seiner Pensionierung voll und ganz der Heimatgeschichte seiner Herkunftsregion. Er publizierte im Eigenverlag mehrere umfangreiche lokalhistorische Werke über Mariapfarr und Umgebung. Bundespräsident Rudolf Kirchschläger verlieh ihm 1982 den Berufstitel „Professor“, ein Titel auf den Schitter großen Wert legte. Seine letzten Jahre verbrachte der Priester ab 1989 im Herz-Jesu-Asyl in der Salzburger Hübnergasse. Am 10. Juli 1991 verstarb Josef Schitter in der Stadt Salzburg.