Lungau
Johanna und Helmut Kandl – WUNDER STOFF / WUNDER PUNKT
Unter dem Titel „WUNDER STOFF / WUNDER PUNKT“ werden die Künstler:innen Johanna und Helmut Kandl In Mariapfarr und Tamsweg eine großflächige Wandmalerei realisieren, mit der von Mai 2026 bis Mai 2027 an den Widerstand der Priester und weiterer Personen erinnert wird. Der Arbeitstitel bezieht sich auf zerrissene Kleidungsstücke, konkret auf Priestergewänder. Zerrissene Stoffe weisen in der christlichen Symbolik eine lange Tradition auf – im Alten Testament steht das biblische Zerreißen der Kleider für den Schmerz über den Verlust eines Menschen, im Neuen Testament ist das Zerreißen des Tempelvorhangs beim Tod Jesu das wohl ausdrucksstärkste Zeichen.
Bei der Wandmalerei von Johanna und Helmut Kandl symbolisiert der Riss nicht nur den Verlust, sondern auch die Gewalt der NS-Herrschaft; auch können die durch den Riss entstehenden schwarz gehaltenen Stellen als „Löcher der Erinnerung“ gelesen werden. Als Bildvorlage werden die Künstler:innen eine historische Kasel wählen, die in der Sakristei der Suppankapelle (beim heimatlichen Hof von Josef Schitter) aufbewahrt wird.
Friedhofsmauer bemalt
Die gewählten Anbringungsorte der Wandmalerei werden diese für die Öffentlichkeit weithin sichtbar halten: In Mariapfarr wird die Wandmalerei an der Friedhofsmauer, die die dortige Pfarrkirche umschließt, angebracht, in Tamsweg an der Wand des alten Schulgebäudes, das direkt an die Einfassungsmauer der Pfarrkirche anschließt und eine örtliche Nähe zu den bestehenden Gedenkorten herstellt. Auf den Bildflächen werden in loser Anordnung mehrere emaillierte Bild-Text-Tafeln angebracht, die biografische Informationen zu den widerständigen und verfolgten Personen wie auch ein jeweils prägnantes Zitat von ihnen wiedergeben.
„Das künstlerische Konzept von Johanna und Helmut Kandl überzeugt vor allem durch ihre dekorative Kraft und Präsenz vor Ort wie auch ihrer präzisen historischen Auseinandersetzung mit der Geschichte“, begründet Hildegard Fraueneder die Juryentscheidung. „Kandl hat die Technik des Freskos, die in Österreich eine lange Tradition hat, in der Vergangenheit immer wieder für Wandgestaltungen angewandt. Als ausgebildete Restauratorin und ehemalige Professorin für Malerei an der Universität für Angewandte Kunst in Wien ist sie auch eine leidenschaftliche Vermittlerin. Bereits das Anbringen der Malerei wird zu einer öffentlichen ‚Performance‘, an der die Bevölkerung teilhaben wird können“, so Hildegard Fraueneder.
